oder: ‘Mein Charger hat keine Traktion bei nassen Straßenbedingungen’
Der Flugmarathon nach New Orleans war überstanden. Ankunft 00:13 Uhr Ortszeit NOLA – Central Time.
Es war nun also schon Sonntag, Samstags gegen Mittag habe ich mich mit Fish und Ana auf den Weg gemacht gen Airport, da dies eine Geschichte für sich war, berichtete ich ja schon.
Nun also erstmal das Gepäck abholen und dann schauen wie ich nach Slidell komme.
Nach Slidell wollte ich, da ich auf den Bahamas die Bekanntschaft mit Richard gemacht habe, ein Althippie, der nun für sein Rentenalter sich ein Haus auf den Bahamas baut (wohl gemerkt nicht das Erste, Surfers Haven gehörte einst ihm). Wir haben uns so gut verstanden und die ein oder andere Flasche Wein zusammen geleert und ich habe ihm von meiner Reise erzählt und gesagt, dass mich meine Reise nun nach New Orleans führt, dass er mir sein Haus in New Orleans als Unterkunft angeboten hat. Er selbst war bzw ist noch bis zum 21.11. auf den Bahamas und er mag es nicht wenn sein Haus leer steht, daher rief er kurzerhand seiner Nachbarin an und erzählte ihr, sie solle den Schlüssel unter den Fußabtreter legen (was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste war das das Gespräch der beiden nie beendet werden konnte und in der Mitte abbrach – dazu aber später mehr).
Nun war ich also in New Orleans, wartete auf meinen Rucksack.
Das Gepäckförderband war gnädig mit mir und brachte meinen Rucksack als eines der ersten Gepäckstücke (kurz darauf stockte es für 1 Stunde und das nette Ehepaar welches ich noch am Flughafen von Miami getroffen habe steht wohl noch heute da und wartet auf ihr Gepäck), doch schon aus der Ferne konnte ich sehen, dass er nicht so aussieht wie ich ihn gepackt hatte, lag entweder daran, dass die Kermit der Frosch Boxershort halb aus dem Rucksack ragend auf dem Förderband geschleift wurde oder daran das ein weißer Zettel mit der Aufschrift: ‘Your bag had been checked’ …lalala alles wieder ‘replaced’ an der Seite hing – hab ich mal so hingenommen, ich mein es sah so aus als wäre mehr drin als davor, schliesslich konnte man ihn nicht mehr schliessen. Nichtsdestotrotz wollte ich nun mein Glück versuchen und mit halb-offenem Rucksack in Richtung Slidell aufbrechen, zuerst musste ich feststellen, dass kein Shuttle mehr fuhr um 1 Uhr in der Nacht. Nun gut, dann eben ein Taxi mit jemandem teilen, zuerst fuhr niemand nach Slidell, desweiteren kostet die Taxifahrt knappe 120 Euro!! Dann entschied ich mich eben dazu mal bei den Mietwagen-Gesellschaften vorbei zu schauen und zu überprüfen was die so an zu bieten haben. Auf nach Alamo! Nein. Nicht das Alamo, den Autovermieter meine ich.
Das Problem an Alamo war jedoch, dass sie nach 24 Uhr ihr System runterfahren und niemanden ohne Reservierung mehr reinnehmen können. Gut dann eben zu Avis. Da stand so ein kleiner Dogde rum, der gefiel mir schon ein wenig. Lange Rede kurzer Sinn, 2 1/2 Tage mit dem Auto sind genauso viel für mich (da unter 25 Jahren extra Versicherungskosten dazu kommen), dafür bin ich ‘frei’. Keine weiteren Kosten für Transport oder ähnliches.
Also mit einer Karte die genau bis auf den Freeway neben dem Flughafen ging und dann erst wieder aber New Orleans Downtown zu verwenden war. Das Gute daran war wenigstens, dass es mitten in der Nacht ist, ich mit einem teuren Sportwagen alleine, durch die gefährlichste Stadt Amerikas fahre ohne zu Wissen wo man sich aufhalten darf und welche Nachbarschaften man eher meidet. Ich wusste das Slidell in etwa eine Stunde vom Flughafen entfernt war, erst in die Stadt, dann durch die Stadt, dann wieder aus der Stadt heraus und auf die andere Seite des Sees, da muss dann irgendwann Slidell kommen, ich wusste immerhin welche Ausfahrt ich vom Freeway nehmen musste, aber das Problem an der Sache war, Slidell ist eine kleine Stadt (für amerikanische Verhältnisse – um es zu durchqueren braucht man auf dem Highway knappe 15 Minuten, d.h. mit 70 Meilen ne Viertelstunde lang brettern, da bin ich halb in Stuttgart und da hört erst Slidell auf) sprich, ich habe keine Ahnung wo, wie wann ich in der Stadt dann weiter auf der Suche nach dem richtigen Haus sein soll, egal, bin einfach weiter gefahren, durch New Orleans durch und wieder raus – war eigentlich ganz einfach, doch dann kam Slidell, ein durcheinander von kleinen Siedlungen, durchzogen von Brücken und Kanälen, den einzigen Anlaufpunkt den ich noch hatte war ein Wasserturm, an den ich mich aber leider erst nach einer Stunde durch die Stadt irren erinnert hatte. Tatsächlich, es war ganz einfach. Wasserturm, schwarzer Sportwagen in der Einfahrt, ich hatte es geschafft und habe nur 2h benötigt, sprich es war halb 4 in der Nacht.
Aus dem Auto gesprungen zur Türe gegangen, doch da war kein Schlüssel unter der Matte. Also gut, im Auto geschlafen, mehr oder weniger, um 7 war Schluss, eine Nachbarin führte ihren Hund spazieren und schaute skeptisch, wie sich später herausstellte war dies die Freundin und Haushälterin von Richard, die aber nicht recht wusste, dass ich wirklich komme da Richard 1. gerne viel trinkt und gerne viel erzählt 2. das Gespräch mit ihr mitten drin unterbrochen wurde und sie dann noch weniger daran geglaubt hatte, dass jemand kommt.
Wie sich dann herausstellte wollte sie sogar schon die Polizei anrufen aufgrund eines verwahrlosten jungen Herren der auf privatem Grund in einem Dodge Charger kampiertem zum Glück kam es nicht dazu.
Linda, so lautet ihr Name, hatte gerade Besuch von ihrer Tochter, sie selbst ist in Richards Alter und plant auch bald auf die Bahamas zu ziehen, wir verstanden uns prächtig und ich wurde von den beiden zum abendlichen Essen in ihr Haus eingeladen, 2 mal, ich erzählte ihnen von meiner Reise und den Erlebnissen und die Sorgen meiner lieben Eltern und Ängste meiner Uroma, aber ich soll von Linda liebste Grüße ausrichten und sie bräuchten (bzw ihr braucht euch) keine Sorgen machen, ich sei ein anständiger Kerl, der ohne Probleme so eine Reise machen kann, außerdem hat er nun (habe ich nun) immer eine Anlaufstelle in New Orleans und nochmals liebste Grüße. Die ganze Fürsorge um mich hat mich doch sehr an meine liebe Uroma erinnert was wirklich liebreizend war, ich glaub wenn ihr euch sprachlich verstehen würdet, dann hättet ihr einen Heidenspaß!
(Ich hab bestimmt dort alleine 5 Kilo zugenommen, da ich immer essen musste und Essen aufgeladen bekommen habe auch wenn ich nicht mehr wollte
vielleicht erinnert das ja jemanden an jemand)
Ich wurde bestens ausgestattet mit Wissen in und um New Orleans, so dass ich fast den ganzen Touristenkram auslassen konnte und nur in Bar’s war in denen sich ‘die Gestalten’ von NOLA rumtreiben, was einen Reiz für sich hatte, nichtsdestotrotz, habe ich mich natürlich auch auf die berühmt berüchtigte Bourbon-Street gestürzt und zu guter Blues-Musik einen Single Malt geschlürft!
Doch das Angebot an Musik ist fast schon zu viel, an jeder Ecke, in jeder Kneipe spielt eine andere Band und das fängt morgens schon an! Doch hat die Stadt und vorallem das French Quarter einen ganz besonderen Reiz.
Randnotiz: Die letzte Nacht verbrachte ich am Flughafen ‘schlafend’ da es von dort aus einfacher war zur Zugstation zu kommen, auf welcher ich morgens um 6 sein musste um nach Atlanta zu kommen, nach 13h Zugfahrt bin ich dort wohlbehalten angekommen und genieße nun die letzten meiner Tage in den Staaten!
Wohnen in einer Siedlung in der Katrina durchwütete, durch welche sogar genau das Auge Katrinas ging ist überaus positiv, wenn es sich dabei um eine der ‘weißen Spießer’-Siedlungen handelt, denn diese sind alle komplett neugebaut und max. 4 Jahre alt.
Ach, ich Übrigen, es gibt keine tollen Bilder aus New Orleans, mir wars da zu regnerisch.